Meine Transplantation

Am Freitag den 14.4.2000 um 14.00 Uhr kam der erlösende Anruf : " Herr Schmidt wir haben eventuell eine neue Lunge für Sie, Sie werden mit dem Hubschrauber zu uns gebracht, bitte bleiben Sie ruhig...  "

Mit dem Rettungswagen ging es zum nahe gelegenen Flughafen und nach wenigen Minuten erscheinte der Hubschrauber...

 

 

bell 222 1

 

- Mit diesem Huschrauber Typ Bell 222 ging es in die Klinik -


Nach 2 Stunden Flug mit dem Helikopter, war ich in der Medizinischen Hochschule Hannover und wurde sofort in den Operationssaal gefahren.

 

 

 

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Um 18.30 Uhr wurde ich in Narkose gelegt und erwachte am nächsten Tag um ca. 14.00 wieder mit meinen 2 neuen Lungenflügeln.

Die Operation dauert über 4 Stunden und war komplikationslos. Bereits nach 15 Stunden konnte ich auf eigenen Beinen stehen...

Wer weiter den Verlauf wissen will kann mich gern anschreiben.


9.September 2010

Ich habe mich nun entschlossen, nun doch einige Momente vorallem nach der erfolgreichen Operation aufzuschreiben.
Ich möchte damit beginnen, das der Helikopter um ca 18.00 Uhr in der Medizinischen Hochschule in Hannover bei kaltem Wetter und Nieselregen gelandet ist.
Es ging sofort in die Notaufnahme wo zuerst meine Chipkarte eingelesen wurde. Es waren recht viele Notfallpatienten zu sehen und ich war ein wenig irritiert warum ich hier her musste.
Meine damalige Freundin durfte mich auch auf dem Flug begleiten.
Nach kurzer Zeit kam eine Person auf mich zu die grüne OP Sachen anhatte. Diese Männliche Person fragte mich nach meinem Namen und ich sagte natürlich diesen.
Dann kam auch schon eine recht zügige Antwort die ab sofort nun mein Leben ändern sollte.

Herr Schmidt, wir warten bereits auf Sie, die neue Lunge ist da, sie ist sehr groß und auch sehr
gut, es geht sofort in den Op!

Das gute daran war, ich musste nicht mehr auf die Intensivstation um mich dort vorbereiten zu lassen, wie z.b. duschen, rasieren und letztentlich nochmal ein Gespräch mit einem Chirurgen über mich ergehen zu lassen.
Alles das blieb mir nun erspart.
Der Mann der die schönen grünen Sachen trug, war dann einer der Operateuere wie ich später erfahren habe.
Insgesamt haben mich 4 Chirurgen operiert und 2 Anästhesisten überwachten meine Narkose.
Auf dem Weg zum Operationsaal mussten wir einige Stockwerke mit dem Fahrstuhl hochfahren. Im Fahrstuhl war eine besondere Stille warzunehmen. Ich fragte den netten Mann, ob ich nicht noch irgentwas unterschreiben müsse, zwecks der Op.
"Nein dazu ist keine Zeit mehr" antworte er mir und fragte mich ob ich diese Operation möchte oder nicht.
Ich kam mir vor wie beim Standesamt, aber da war ich nicht und somit sagte ich sehr deutlich, "na klar sehr gern".
Eh ich mich versah war ich im Narkoseraum und fix war die 1. Infusionsnadel gelegt und die Narkose wurde recht schnell eingeleitet.
Ich sprach schön verschwommen und "klick" bin ich auch schon eingeschlafen!
Die Operation wurde ohne Herzlungenmaschine durchgeführt!
Am 15.04.2000 um 0.05 Uhr, war meine Operation zu Ende und ich wurde vollbeatmet auf die Intensivstation gebracht.
Um 10.00 Uhr morgens war ich wohl schon das 1. Mal wach aber daran kann ich mich nicht mehr erinnern.
Um 14.00 Uhr wurde der Tubus gezogen und ich konnte bereits vollständig allein atmen. Meine Sauerstoffsättigung lag bei 99% mit einem Liter zusätzlichen Sauerstoff über die Nasenbrille.
Im Vergleich zu einem Tag vorher, mit noch alter Lunge, war mein Sauerstoff bei 5-6 Liter zusätzlichem Sauerstoff,gerade einmal 91% in Ruhe!

Nun hieß es aufstehen mit samt allem was an mir verkabelt war. Zig Infusionsflaschen hingen an mir, die meisten liefen über einen ZVK ( Zentraler Venenkather ) der am Hals sich befand.
2 Dranagenschläuche links und rechts jeweils, die Unterhalb der Rippen rauskamen und an Behälter angeschlossen waren, förderten das Wundblut ab.
Trotz allem konnte ich aufstehen, ohne Schmerzen! Es war ein sehr mulmiges Gefühl aber es ging wunderbar. Auch sprechen war kein Problem und Luft bekommen erst recht nicht.
Ich konnte so wunderbar "frei" ausatmen was vorher oft schwer war. Einatmen ging immer aber ausatmen war schwieriger.
Nun ging beides sehr gut und ich fühlte mich sehr glücklich!

Nach 2 Tagen ging es auf die "Intermediate Care" Station, eine Art Intensivstation aber wo keine Beatmung z.b. ausgeübt wird und auch mehr Platz für den Patienten ist.
Ich hatte ein Zimmer auf der Station 15b für mich ganz allein. Mit eigener Waschzelle und Toilette und Tv und Telephon.

Nun hieß es fleißig tranieren und schnell fit werden, rauf auf dem Hometrainer und das 2 mal am Tag für ein paar Minuten.
Dies viel mir am Anfang schon schwer, meine Beine waren dies gar nicht gewöhnt und die Lunge musste sich erstmal auf ein wenig Mehrarbeit einstellen.
Leider stelten die Ärzte am 4 Tag nach der Transplantion eine Abstoßungsreaktion fest. Meine Blutgaswerte waren schlecht und mein Rötgenbild auch.
Nun bekam ich 3 Tage "Urbason" i.v. gespritzt und dies 1 g am Tag.
Nebenwirkungen wie Halluzination und Heißhunger und auch Depression waren mein Begleiter.
Erfreulich war aber, das die Abstoßung schnell gestoppt werden konnte und ich mich erholte und alle Werte sich wieder stabilisierten.

Nach 12 Tagen wiederholte sich leider das ganze wieder und diesmal war ich nicht wieder schnell so fit. Ich bekam eines nachts starkes Herzrasen ( bis zu 180 Schläge pro Minute ) und starke Kopfschmerzen.
Ab sofort bekam ich Herzmedikamente die den Herzrythmus u.a. wieder normalisieren sollten.
Nach 30 Tagen konnte ich das Krankenhaus verlassen.
Mein Gesundheitszustand war bereits so fit, das ich mit meinem Fahrrad in der freien Natur gut 10 km fahren konnte, was ich davor einige Jahre nicht mehr konnte.

Ich bin allen Menschen die mich während der schweren Stunden unterstützt haben sehr dankbar, aber am allermeisten meinem Organspender und deren Angehörigen!

 


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